Eine Vision nimmt Gestalt an
Hartwig Hausdorf
Vorbilder sind heute rar geworden. Ich habe eines, ohne das mein Leben ganz
sicher anders verlaufen würde. Richtig: Es ist Erich von Däniken, der Schweizer
Beststellerautor, der die Welt mit der Frage schockierte, ob unsere Vorfahren
Besuch von außerirdischen Intelligenzen bekamen.
Es war 1995, da sagte Erich mit knappen Worten: „Ich habe einen Traum!“. Und
verriet noch kaum etwas über jene Idee, die ihm da schon eine Weile im Kopf
herumgespukt hatte. Erst bei einem Bankett, das nacheinander in Basel und
Mannheim veranstaltet wurde, ließ er die Katze aus dem Sack: Dem Autor schwebte
ein Themenpark vor, in welchem die größten Rätsel und Geheimnisse der Welt an
einem Ort dokumentiert und besuchbar sein sollten. Ein Millionenprojekt mit dem
Titel „Mysteries of the World“ machte die Runde. Im schönen Berner Oberland, am
Rande von Interlaken, sollte eine touristische Attraktion ersten Ranges
entstehen, die Besucher wieder zum Staunen bringt. Und das bei jedem Wetter,
denn Wüste, Hochgebirge, oder unzugängliche Gebiete sind sonst für Touristen
schwer zu erreichen.
1996 wurde die „Erich-von-Däniken-Stiftung“ ins Leben gerufen, erster
Grundstein, um die kühne Vision Realität werden zu lassen. Doch es gab noch jede
Menge Hindernisse zu überwinden: Widerstand regte sich bei den Eidgenossen in
der Region. Erich suchte das persönliche Gespräch mit allen, die dagegen waren –
und konnte jeden von der Großartigkeit seiner Idee überzeugen!
Doch von Überzeugungen allein kann man sich nichts kaufen. Es galt nun, Banken
und Investoren zu überzeugen, ihnen die Sicherheit zu vermitteln, ihr Geld nicht
in den Sand zu setzen. Das Projekt gelang und wurde mit einer Investition von
stattlichen 85,5 Millionen Schweizer Franken in Angriff genommen. 2001 begannen
auf einem ehemaligen Militärflugplatz bei Interlaken die Bauarbeiten. Erich von
Däniken machte den ersten Spatenstich für das Prestigeobjekt Nummer 1 im Berner
Oberland. Der Name: „Mystery Park“.
Im Mai 2003 war es dann endlich soweit: „EvD“, wie er von Freunden, Mitstreitern
und Lesern genannt wird, eröffnete den Park. Auf mehr als 70000 Quadratmetern
wurde seine Vision, die er acht Jahre zuvor erstmals einem kleinen Kreis
Gleichgesinnter erläutert hatte, Realität. Dominiert von einem Turm mit seiner
weithin glänzenden Kugel ist der Park ringförmig aufgebaut. Genauso übrigens,
wie sich NASA-Planungen ringförmige Generationen-Raumschiffe vorstellen, mit
denen vor unbekannten Zeiten vielleicht auch fremde Intelligenzen zu Erde kamen.
Und denen Erich von Däniken Zeit seines Lebens nachspürt. Hat sich hier ein
Kreis geschlossen?
Innerhalb dieses Rings bieten sechs Pavillons Phantastisches für Jung und Alt.
Wie etwa einen Flug über die Wüstenregion bei Nazca, überzogen von
schnurgeraden, pistenähnlichen Linien, die nur vom Flugzeug aus zu erkennen
sind. Es ist, als sitze man selbst in der Maschine. Eine andere Halle zeigt die
Rätsel der Mayas und anderer Völker Mittelamerikas. Die uralte Stadt Teotihuacan
– sie hat sich als gigantisches Abbild unseres Sonnensystems erwiesen. Wer waren
ihre Erbauer, und woher hatten sie dies profunde Wissen? Doppelt mysteriös, wenn
man bedenkt, dass Pluto erst 1930 entdeckt wurde!
Nach ein paar organisatorischen Änderungen heißt der Mystery-Park nun
„Jungfrau-Park“ und schließt auch Sensationen der Region Eiger, Mönch, Jungfrau
mit ein. Wie eine virtuelle 360 Grad-Wanderung auf dem Aletsch-Gletscher, dem
größten in Europa. Aber Mystery hin oder Jungfrau her: Durch seine Realisierung
hat sich Erich von Däniken als großartiger Visionär erwiesen, der sich selbst
bescheiden einen Phantasten nennt. Einen Park, der mit seinen Freizeitangeboten
auch den Nachwuchs spielerisch an die Mysterien der Welt heranführt. Hand aufs
Herz: An die vielen Erbsenzähler vom Schlage unserer Politiker wird sich
dereinst kein Mensch mehr erinnern. Aber an jene, die weit über den Horizont
unseres engen Weltbildes hinausblickten! So gesehen, hat sich unser kühner
Schweizer Querdenker bereits jetzt seinen Platz im Olymp all derer verdient, die
uns aus der Höhle der Unwissenheit führen.